Wie man durch Reisen ein Zuhause in sich selbst findet

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Ich lese gerade „Der Junge muss mal an die frische Luft“ von Hape Kerkeling.
In einem Kapitel gibt es das Zitat: „Man kommt nie Zuhause an, wenn man sich nicht auch mal davon entfernt“. Und so ist es!

 

VERLASSEN DER KOMFORTZONE

Ich glaube, gerade das Verlassen der Heimat – und der eigenen Komfortzone – hat entscheidend zu meiner Menschwerdung beigetragen. Nicht das ich auch nicht schon vorher ein Mensch war. Aber anders.Noch nicht so Zuhause.

Ich denke gerade an eine Szene in einem Club in St Paul, Minnesota. Ich war 15, hatte ein bißchen Pubertätsspeck, zum ersten Mal lange Haare und trug eine runde Brille. You got the picture. Zu allem Übel hatte mir meine amerikanische Austausch-Schülerin auch noch mit dem Lockenstab Locken in die Haare gedreht. Großartig!

 

FRAG NICHT!

Frag gar nicht erst. Die Bilder befinden sich in einer Kiste und werden dort auch unter Verschluss bleiben, du würdest mich sowieso nicht erkennen.Ich las zu der Zeit gerne Hermann Hesse, hörte die Ärzte, ruderte und gärtnerte für mein Leben gern. Die hippen Mädchen („ich model jetzt“) in meiner Klasse fanden mich doof und mein bester Freund war meine Mischlingshündin Bessie.

 

REISEN VERÄNDERT ZUM POSITIVEN

Die durch diese und weitere Reisen hervorgerufene Entwicklung war immens. Daher ist es auch so ein Herzensprojekt, dich bei deiner ersten Reise alleine zu unterstützen. Du traust dich nicht alleine zu reisen? Dann ist dieser Online-Kurs vielleicht etwas für dich:

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IN DER DISCO

Eine große Disco in USA überforderte mich völlig. Es war mir zu laut, zu voll und vor allem zu oberflächlich. Meine damalige Austausch-Schülerin – ein hippes, eigentlich sehr nettes typisches American Girl – fand mich auch entsprechend langweilig. So stand ich dann irgendwann völlig allein und verloren, mit kurzem gelben Rock, Blüschen, Zopf und runder Brille alleine herum und hoffte, dass der Abend bald vorüber sein würde. Es war entsetzlich!

In einer Ecke stand ein ebenfalls dicklicher Junge. Er war etwas größer als ich, hatte kurze braune Haare und trug Hemd und Stoffhose. Irgendwie schafften wir schon alleine durch unseren leicht konservativ angehauchten Look eine Verbindung. Weitere Beachtung habe ich ihm nicht geschenkt. Dazu war ich viel zu schüchtern.

 

DER ABEND PLÄTSCHERTE DAHIN

Der Abend plätscherte so dahin und ich fühlte mich inmitten dieser vielen Menschen wie der einsamste Mensch auf dem ganzen Erdball. Grauenhaft.

Plötzlich, so wie aus dem nichts, stand der Junge mit einer Rose vor mir. Die hatte er einem Typen abgekauft, der dort herumlief und Rosen verkaufte. Die Amerikaner stehen total auf solche Dinge.
Der arme Kerl war so nervös wie ich perplex war. Mich sprach doch glatt jemand an. Krass!!

 

YOU LOOK SO SAD

„You look so sad, I want to give you this flower“, sprach er und drückte mir die langstielige Rose in die Hand. Vermutlich war der arme Kerl einem Herzinfarkt nahe. Er schwitzte und konnte mir gar nicht so richtig in die Augen schauen. Noch ehe ich etwas antworten konnte, drehte er sich auf dem Absatz rum und verschwand. Ich sah ihn dann noch einmal kurz aus der Menge zu mir herüberschauen. Ein weiteres Gespräch – das echt meinen Abend gerettet hätte – ergab sich nicht. Ich selber war auch viel zu schüchtern um zu ihm hinzugehen. Zudem hatte mein Englisch das Niveau, das es eben mit 15 hat.
Schade, denn ich hätte ihm gerne gesagt, welch große Freude er mir gemacht hat. Nicht mit der Rose. Rote Rosen finde ich ätzend. Ich stehe bis heute nur auf Englische Rosen, wenn sie sich in einem Garten befinden. Aber mit der Geste. Er muss wirklich allen Mut zusammengenommen haben, um mich anzusprechen. Wow!

 

WAS HABE ICH DARAUS MITGENOMMEN

Ganz viel!

– Es gibt immer jemanden, der einen total nett findet. Auch wenn man sich alleine fühlt. Manchmal trauen die Leute sich nur nicht, einem das zu sagen. Diesen Gedanken finde ich immer sehr tröstlich, wenn ich mich mal wieder wie der totale Freak irgendwo fühle.

– Schüchternheit kann man überwinden. Das ist wie Muskeltraining. Einfach mit den Leuten reden. Ich verrate Euch diesbezüglich einen mentalen Trick: Stell dir einfach vor, du würdest die Person, mit der du sprechen willst schon ewig kennen und ihr wärt die allerbesten Freunde. Das hat eine magische Innen- als auch Außenwirkung!!

EIN VOLLER ERFOLG

Auch wenn das mit der Disco nicht ganz so der Brüller war und Jenny kein wirkliches Interesse an mir hatte, war der Aufenthalt trotzdem ein Erfolg. Ich liebte es, mit ihrem Vater Rennrad fahren zu gehen. Ein volles Wochenende verbrachten wir beim Zelten mit einem Onkel und dessen total nettem Sohn, wir angelten auf dem Mississippi und grillten die Fische am Lagerfeuer.

DAS ZUHAUSE IN SICH FINDEN

– Wie wichtig es ist, zu sich selbst und seinem Naturell zu stehen. Zugegeben, das ist ein noch andauernder Prozess. Heute wähle ich mir das passende Umfeld aus und versuche nicht krampfhalt irgendwo dazuzugehören. Auch heute wird aus mir kein American Girl. Aber man kann prima mit mir Dinge unternehmen. Diese Erkenntnis hat mir echt ein Zuhause in mir selbst gegeben. Ich hoffe, das klingt jetzt nicht allzu pathetisch.

 

All diese Dinge hätte ich ohne Reisen nie erfahren. The good, the bad and the ugly. Aus allem lernt man.
In diesem Sinne,

Do that trip! Book that flight!