Wie man durch Reisen ein Zuhause in sich selbst findet

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Ich lese gerade „Der Junge muss mal an die frische Luft“ von Hape Kerkeling.
In einem Kapitel gibt es das Zitat: „Man kommt nie Zuhause an, wenn man sich nicht auch mal davon entfernt“. Und so ist es!

 

VERLASSEN DER KOMFORTZONE

Ich glaube, gerade das Verlassen der Heimat – und der eigenen Komfortzone – hat entscheidend zu meiner Menschwerdung beigetragen. Nicht das ich auch nicht schon vorher ein Mensch war. Aber anders.Noch nicht so Zuhause.

Ich denke gerade an eine Szene in einem Club in St Paul, Minnesota. Ich war 15, hatte ein bißchen Pubertätsspeck, zum ersten Mal lange Haare und trug eine runde Brille. You got the picture. Zu allem Übel hatte mir meine amerikanische Austausch-Schülerin auch noch mit dem Lockenstab Locken in die Haare gedreht. Großartig!

 

FRAG NICHT!

Frag gar nicht erst. Die Bilder befinden sich in einer Kiste und werden dort auch unter Verschluss bleiben, du würdest mich sowieso nicht erkennen.Ich las zu der Zeit gerne Hermann Hesse, hörte die Ärzte, ruderte und gärtnerte für mein Leben gern. Die hippen Mädchen („ich model jetzt“) in meiner Klasse fanden mich doof und mein bester Freund war meine Mischlingshündin Bessie.

 

REISEN VERÄNDERT ZUM POSITIVEN

Die durch diese und weitere Reisen hervorgerufene Entwicklung war immens. Daher ist es auch so ein Herzensprojekt, dich bei deiner ersten Reise alleine zu unterstützen. Du traust dich nicht alleine zu reisen? Dann ist dieser Online-Kurs vielleicht etwas für dich:

Endlich mach ich meine Traumreise

Am 15.05 gehts los. Sei dabei und erweitere deine Komfortzone! Ist ein Online Kurs, du bist also zeitlich flexibel.

 

IN DER DISCO

Eine große Disco in USA überforderte mich völlig. Es war mir zu laut, zu voll und vor allem zu oberflächlich. Meine damalige Austausch-Schülerin – ein hippes, eigentlich sehr nettes typisches American Girl – fand mich auch entsprechend langweilig. So stand ich dann irgendwann völlig allein und verloren, mit kurzem gelben Rock, Blüschen, Zopf und runder Brille alleine herum und hoffte, dass der Abend bald vorüber sein würde. Es war entsetzlich!

In einer Ecke stand ein ebenfalls dicklicher Junge. Er war etwas größer als ich, hatte kurze braune Haare und trug Hemd und Stoffhose. Irgendwie schafften wir schon alleine durch unseren leicht konservativ angehauchten Look eine Verbindung. Weitere Beachtung habe ich ihm nicht geschenkt. Dazu war ich viel zu schüchtern.

 

DER ABEND PLÄTSCHERTE DAHIN

Der Abend plätscherte so dahin und ich fühlte mich inmitten dieser vielen Menschen wie der einsamste Mensch auf dem ganzen Erdball. Grauenhaft.

Plötzlich, so wie aus dem nichts, stand der Junge mit einer Rose vor mir. Die hatte er einem Typen abgekauft, der dort herumlief und Rosen verkaufte. Die Amerikaner stehen total auf solche Dinge.
Der arme Kerl war so nervös wie ich perplex war. Mich sprach doch glatt jemand an. Krass!!

 

YOU LOOK SO SAD

„You look so sad, I want to give you this flower“, sprach er und drückte mir die langstielige Rose in die Hand. Vermutlich war der arme Kerl einem Herzinfarkt nahe. Er schwitzte und konnte mir gar nicht so richtig in die Augen schauen. Noch ehe ich etwas antworten konnte, drehte er sich auf dem Absatz rum und verschwand. Ich sah ihn dann noch einmal kurz aus der Menge zu mir herüberschauen. Ein weiteres Gespräch – das echt meinen Abend gerettet hätte – ergab sich nicht. Ich selber war auch viel zu schüchtern um zu ihm hinzugehen. Zudem hatte mein Englisch das Niveau, das es eben mit 15 hat.
Schade, denn ich hätte ihm gerne gesagt, welch große Freude er mir gemacht hat. Nicht mit der Rose. Rote Rosen finde ich ätzend. Ich stehe bis heute nur auf Englische Rosen, wenn sie sich in einem Garten befinden. Aber mit der Geste. Er muss wirklich allen Mut zusammengenommen haben, um mich anzusprechen. Wow!

 

WAS HABE ICH DARAUS MITGENOMMEN

Ganz viel!

– Es gibt immer jemanden, der einen total nett findet. Auch wenn man sich alleine fühlt. Manchmal trauen die Leute sich nur nicht, einem das zu sagen. Diesen Gedanken finde ich immer sehr tröstlich, wenn ich mich mal wieder wie der totale Freak irgendwo fühle.

– Schüchternheit kann man überwinden. Das ist wie Muskeltraining. Einfach mit den Leuten reden. Ich verrate Euch diesbezüglich einen mentalen Trick: Stell dir einfach vor, du würdest die Person, mit der du sprechen willst schon ewig kennen und ihr wärt die allerbesten Freunde. Das hat eine magische Innen- als auch Außenwirkung!!

EIN VOLLER ERFOLG

Auch wenn das mit der Disco nicht ganz so der Brüller war und Jenny kein wirkliches Interesse an mir hatte, war der Aufenthalt trotzdem ein Erfolg. Ich liebte es, mit ihrem Vater Rennrad fahren zu gehen. Ein volles Wochenende verbrachten wir beim Zelten mit einem Onkel und dessen total nettem Sohn, wir angelten auf dem Mississippi und grillten die Fische am Lagerfeuer.

DAS ZUHAUSE IN SICH FINDEN

– Wie wichtig es ist, zu sich selbst und seinem Naturell zu stehen. Zugegeben, das ist ein noch andauernder Prozess. Heute wähle ich mir das passende Umfeld aus und versuche nicht krampfhalt irgendwo dazuzugehören. Auch heute wird aus mir kein American Girl. Aber man kann prima mit mir Dinge unternehmen. Diese Erkenntnis hat mir echt ein Zuhause in mir selbst gegeben. Ich hoffe, das klingt jetzt nicht allzu pathetisch.

 

All diese Dinge hätte ich ohne Reisen nie erfahren. The good, the bad and the ugly. Aus allem lernt man.
In diesem Sinne,

Do that trip! Book that flight!

Was ich schon immer mal zu METOO, Reisen und dem Verlassen der Komfortzone sagen wollte

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Kennst Du sie auch, diese #METOO Kampagne und fühlst aber etwas anderes? Schon Verständnis für alle Frauen, denen ein Übergriff passiert ist, willst Dich aber dennoch nicht einschränken lassen? Hast die Nase voll von Warnschildern und all den Dingen, die Du „lieber nicht tun sollst“ – weil sie zu gefährlich sind? Die Reise nach Afrika oder der Umzug nach London?

Wir Frauen werden dann die Welt verändern, wenn wir sie mit anderen Augen sehen. Wenn wir uns nicht mehr ducken und klein beigeben, sondern mutig in die Welt ziehen, die Chefetagen erobern und nicht nur lieb zu Hause sitzen.

 

Mein Mindflow – heute mal ungefiltert

Wäre es nicht viel zu schade, wenn Du als Frau so viel nicht erlebst, weil es angeblich zu gefährlich ist? Was ist mit all den Orten, Plätzen, Stränden, die Du gern sehen möchtest. All die Reisen, die Du machen willst. All die Erinnerungen die Du erschaffen willst. Geht das wirklich immer nur mit einem Partner, mit einem „starken“ Mann an Deiner Seite? Ich sage NEIN!

Frauen lassen sich in eine schwache Ecke drängen und prangern dann hinterher das Verhalten der Männer an. Das muss aufhören! Beides: sowohl die Übergriffe der Männer gegenüber Frauen, als auch das Nichtreagieren der Frauen aus Angst vor Konsequenzen. Ich hatte neulich ein Gespräch mit einem sehr herablassenden Consultant. Ich war etwas aufgebracht. Er nannte mich „kriegerisch“. Einem Mann würde man so etwas nicht sagen. Bei einem Mann würde man auch die Kompetenz nicht so in Frage stellen, wie er das tat. Aber das nur am Rande.

Sofortiges Handeln erwünscht

Wir Frauen müssen uns sofort in dem Moment wehren, in dem uns etwas Blödes widerfährt und nicht erst schweigen und dann nach Jahren rumheulen. Es geht um „Empowerment“. Darum, unser Leben in die Hand zu nehmen. Mit allen Konsequenzen. Und laut STOPP!!! zu rufen. Verbal, körperlich und auch mental. Schluss mit Selbstverteidigungs-Bullshit „ich klemme mir einen Schlüssel zwischen die Finger“. Macht das ordentlich und mit Verstand! Es braucht nicht viel um sich sicher in der Welt zu bewegen.

Hinterher zu jammern, was man alles im Leben gewollt hätte aber „nicht durfte“ ist dröge und belastet nur andere. Mach es, oder lass es, aber sabbel nicht nur. Ich kann das „ich würde ja so gerne aber ich bin nicht so mutig/ habe kein Geld/ keine Zeit etc.“ nicht mehr hören. Raus aus der Komfortzone! Whatever it takes. Mit allen Konsequenzen. Tu es, verdammt nochmal! Es wird nicht leichter, wenn Du nur drüber redest.

Wenn Du Unterstützung brauchst, such Dir Hilfe

Als ich nach dem Abitur für eine Stiftung in England arbeitete – wir reden von 1993 – war da der Wunsch, in die Welt zu gehen und eine Weile dort zu bleiben. Also schnappte ich mir das Buch „Jobben weltweit“ – es gab noch kein Internet – und schrieb Bewerbungen, denen mein Englischlehrer den letzten Schliff gab.

Dann kaufte ich internationale Rückscheine bei der Post – gibt’s sowas heute noch? – und schickte die Bewerbungen los. Ein paar der Adressen rief ich auch an. Zum Beispiel einen englischen Erdbeerfarmer, der es total lustig fand, dass ich anrief. Er meinte nur, dass ich einfach vorbeikommen soll.

Am Schluss fand ich dann eine superpassende Volunteerstelle in der Nähe von London, wo ich mit körperlich Behinderten arbeitete. Die Leute dort waren sehr gut drauf und ich habe mich von Anfang an sehr wohlgefühlt. Durch regelmäßiges Scrabble-Spielen konnte ich mein Englisch ziemlich schnell verbessern.

Hatte ich Angst und Respekt davor?

You bet! Aber ich habe es gemacht. Und danach immer wieder. Getreu dem Motto: Feel the fear and do it anyway.

Gab es Situationen, die schwierig waren oder in denen ich Angst hatte? Auch die gab es. Aber die gab es auch im Businessumfeld, wo sich jemand im Ton oder in der körperlichen Distanz vergriff. Es wird Zeit, dass wir Frauen die Welt erobern und uns nicht mehr kleinmachen lassen. Wir müssen ganz laut Stellung beziehen und uns vor allen Dingen gegenseitig dabei unterstützen. Zurzeit arbeiten Frauen noch nicht zusammen, sondern sind im Konkurrenzkampf zueinander. Das finde ich sehr bedauerlich.

Umgang mit männlichen Übergriffen

Keine Frau ist alleine. Auch wenn das jede denkt und sich manchmal sogar für ihre Erlebnisse schämt. Und glaube mir, es gibt vermutlich keine Frau, die nicht mal in irgendeiner ausgesprochen unangenehmen Situation war.

Stellung für Dich selbst zu beziehen ist wie tägliches Muskeltraining: Es wird mit zunehmender Übung immer leichter. Und auch Kampfsport lebt nicht von ausgefeilten Bruce-Lee Techniken, sondern vom wiederholten Üben der Basics, von schnellen Reaktionen und guten Reflexen. Damit löst Du schon 80% aller Probleme. Noch ein bisschen energetisches Feingefühl – es gibt sehr effektive Techniken – und verbale Schlagfertigkeit und die Welt steht Dir offen. Das tut sie sowieso, aber sie steht Dir noch leichter offen.

Let’s make #METOO history

Abfällige frauenfeindliche Bemerkungen, Männer die die Distanz nicht wahren können, einem in die Bluse oder in den Schritt fassen – die Geschichten wiederholen sich – müssen endlich der Geschichte angehören. Ich sage: NOT YOU – Let’s make #METOO history! Ich höre in diesem Zusammenhang oft „Du bist halt so tough“ und kann das als faule Ausrede nicht mehr hören. Denn die verschiedenen Techniken kann jeder lernen und leicht anwenden. Man muss es nur wollen. Denn auch ich bin von Natur aus eher ein zurückhaltender und sensibler Mensch.

Das Verlassen der Komfortzone

Mit „Alleine reisen“ assoziieren viele Einsamkeit. Aber das Gegenteil ist der Fall: Alleine Reisen bietet eine tolle Möglichkeit, mit sich selbst in Kontakt zu kommen und auch auf andere Menschen zuzugehen. Das ist im Grunde ganz einfach und bedarf nur ein bisschen Interesse an anderen (siehe mein letzter Instagram Post).

Wir alle haben Bereiche, die an unserer Komfortzone rütteln. Der eine kann niemanden ansprechen oder auf einem AB eine Nachricht hinterlassen, der nächste kann nicht alleine sein oder in die Welt fliegen, wieder jemand traut sich nicht aus seinem Heimatort weg, aus Angst die Freunde zu sehr zu vermissen. Mich selbst kostet es große Überwindung mit Videos rauszugehen. Aber beim ganzen Rest kann ich Dich dafür super unterstützen.

Das habe ich schon mehrfach getan. Mein Mitbewohner in Spanien, nachdem er nach Zürich gezogen war, schrieb: Du bist das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Ihm hatte ich Mut für diesen großen Schritt gegeben und geholfen, das ganze vorzubereiten. Mit einer Freundin habe ich im dicksten Schneesturm ihren Umzug nach St Gallen gemeistert. Sie war nervlich nicht in der Lage den Sprinter zu fahren, ich habe das dann gemacht. Sie bekam Bachblüten eingeflößt und musste die Lieder im Radio mitsingen, damit sie nicht über ihre Angst nachdenken konnte. Und singen ist jetzt nicht ihre Stärke… Manchmal muss man hart gegen sich selbst sein.

Du kannst doch nicht …

Ein Freund in Bristol sagte, als ich ihm von meinen Umzugsplänen erzählte „Du kannst doch nicht jedes Mal das Land wechseln, wenn Du den Job wechselst“ als ich einfach so von Bristol nach Barcelona umzog. Ja, warum denn nicht? Er selbst zog dann übrigens wegen einer Frau nach Südafrika.

Einem Bekannten sagte ich mal, dass ich eines Tages CEO einer Company sein werde. Er fand die Idee total absurd. Ich brach den Kontakt zu ihm ab. Wieder jemand belächelte mich, dass ich „mit meinem Studium“ internationales Projektmanagement machen wolle. Irgendwann, als ich gerade für große Solarprojekte um die halbe Welt flog, fand ich den Zettel mit dem Wort „Internationales Projekt Management“ in einem Buch. Den hatte ich schon total vergessen gehabt.

Schluss mit kleinklein!

Es muss Schluss damit sein, uns von aburteilenden Männern – es gibt zum Glück auch viele großartige Männer – kleinhalten zu lassen. Oder von neidischen Frauen, die einem den Erfolg nicht gönnen. Auch wenn sie ganz laut „oh wie toll“ bekunden. Schluss damit!

Was ich noch mitgeben will: es gibt fast keine Herausforderung, die man nicht meistern kann. Irgendwas geht immer und man findet kreative Lösungen in misslichen Lagen. Oder jemanden, der einem die Hand reicht. Dafür muss man nur offen sein. Insofern wird alles gut. Oder, wie ein Kletterpartner zu sagen pflegte: „What’s the worst that can happen? A slow and painful death“.

Die Sache mit dem Sicherheitstraining

99% der Leute, die sagten: wozu braucht man ein Sicherheitstraining? Was soll denn im Ausland passieren? Haben mir im nächsten Satz mindestens ein Beispiel gegeben, wo ihnen oder jemand anderem etwas im Ausland passiert ist. „In Südafrika wurden wir am ersten Tag vor dem Hotel ausgeraubt. Die Reise war gelaufen und meine Frau will da nie mehr hin“/ „Es wurde in mein Hotelzimmer eingebrochen“ – Ich: Sie waren vermutlich im ersten Stock. „Woher wissen Sie das“ / „Der afrikanische Lieferant hat doch Zertifikate geschickt, das ging nicht gut aus“ Ich: die waren vermutlich selbst gedruckt. Haben Sie einen Backgroundcheck gemacht? „Äh nee. Wir wussten nicht, dass es so etwas gibt“ und viele weitere Beispiele.

Hätte Ihnen mein Training geholfen? „Ähh, jaa, jetzt wo Sie das sagen……“.

Meine Mission in diesem Leben

Ja, ich habe eine Mission.

Diese ist, begreiflich zu machen, dass gute Vorbereitung weder schwer noch panikauslösend ist. Diesen Bullshit höre ich auch manchmal. Das ist völliger Quatsch. Sondern sie führt dazu, dass Du mit Sinn und Verstand und ganz wach in die Welt gehst. Ich weiß wovon ich rede und dass der Preis, den man ohne solch ein Training zahlt, noch viel höher ist. Beispiele von Personen, bei denen ohne Vorbereitung und genug Erfahrung einiges schiefgelaufen ist, kenne ich genug. Erst heute war in der Zeitung die Meldung eines Todesfalles durch Gelbfieber. Bedauerlich.

 

Un‘ nu?

Wenn Du jetzt auf den Geschmack gekommen bist, Dein Leben endlich in die Hand zu nehmen und aus Deiner Reiselust tolle reale Erlebnisse zu generieren – die Welt ist ein spannender Ort! – dann sei dabei vom 17.09. – 21.09.2018 in Marrakesch zum Seminar „Jetzt entdecke ich die Welt“ Reisesicherheit für Frauen. Es wird eine kleine feine Gruppe mit 5 handverlesenen Frauen, viel Spaß und ganz viel Info und Praxis.

In diesem Sinne, allzeit eine gute und sichere Zeit.

Wir sehen uns in Marrakesch

Deine Ute

Welchen Einfluss das Leben im Ausland auf die persönliche Komfortzone hat

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Komfortzone

Neulich sah ich im Fernsehen eine Werbung für „Good Bye Deutschland“. Ein Satz ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Nie wieder Alltag“. Ähnliches findet man auch in einschlägigen Jobanzeigen „Leben da, wo andere Urlaub machen“. Welche Erwartungen löst das aus? In meinen Augen die völlig falschen! Es wird eine Vorstellung vom Leben im Ausland kreiert, die der Realität nicht standhält. Denn die Komfortzone wird dabei schon ziemlich gedehnt. 

Menschen brauchen „Alltag“

Natürlich hat man bei einem Umzug in ein neues Land erst mal ganz viel Tolles, Neues und Aufregendes. Das ist ganz normal und diese Phase sollte man auch in vollen Zügen genießen. Nach der ersten „Honeymoon-Phase“ tritt zwangsläufig Alltag ein. Auch das ist normal. Denn was ist Alltag denn? Es ist ein fester Ablauf des Lebens, bestehend aus Arbeit, Freizeit, Notwendigkeiten wie Einkaufen, Wäschewaschen (ausgenommen Länder, in denen man das extern erledigen lässt) und dem ganz normalen Rhythmus, der sich irgendwann automatisch einstellt. Das ist auch gar nicht schlimm, denn Routine ist für uns Menschen wichtig.

Wir wollen unseren Stamm-Frisör, wissen wo es die besten Pommes der Stadt gibt, wo man seinen Kaffee trinken und abends weggehen kann. Das zu wissen spart sehr viel Zeit und Kraft. Man ist nicht mehr auf „Alarmstufe rot“, sondern kann die Dinge entspannter angehen. Abwechslung gerne, aber nicht zu viel. Sonst wird es für unsere Psyche schnell unbequem. Bei jedem meiner Auslandsaufenthalte hat die Suche nach einem netten Frisör mehrere Anläufe und damit auch Kraft in Anspruch genommen.

Die berühmte Honeymoon-Phase

Warum erwähne ich das? Ich denke, bei vielen kommt gerade deshalb nach der sogenannten Honeymoon-Phase so ein böses Erwachen im Fachjargon als Kulturschock bezeichnet, da sie mit falschen Erwartungen in ein neues Land gezogen sind. Mit diesem „Jetzt wird alles anders und vor allem besser! Jetzt stelle ich mein Leben um, mache regelmäßig Sport, schaue weniger Fernsehen und gehe mehr auf Feten...“. Und was es da sonst noch an Vorstellungen gibt. Ja, es kann gut sein, dass man wirklich vieles ändert, weil man den neuen Schwung nutzt und auf dieser positiven Welle bleibt. Auch, weil man alte Strukturen und kräftezehrende Peers (mehr dazu bei „Schluss mit Energieräubern“ hinter sich gelassen hat. Ich wünsche wirklich jedem Expat, dass er genau das erreicht und durchhält.

Man nimmt sich selbst immer mit

Fakt ist aber auch: man nimmt sich selbst mit! Wenn ich eher eine „Couch-Potatoe bin, wird aus mir höchstwahrscheinlich auch im Ausland kein Triathlet. Und wenn ich regelmäßig Sport brauche, kann es ziemlich frustrierend sein, wenn man sich plötzlich in einem Umfeld wiederfindet, in dem die Kollegen lieber trinken gehen als zum Sport. Ist mir einmal passiert. Die fanden es sehr strange, wenn ich nicht mit in den Pub kam, weil ich an dem Abend dringend eine bestimmte Route in der Kletterhalle klettern wollte. Ich sage das, weil man dann ziemlich schnell zum strangen Vogel wird, was partiell ausgrenzend sein kann. Damit muss man umgehen können. Oder man passt sich an, nur um dazuzugehören, was die schlechtere Variante wäre.

Feste Strukturen und gewohnte Pfade fehlen erst mal

Zuhause hatte man ja seine festen Strukturen und die gewohnten Pfade. Den Freundeskreis, die Kollegen, die Orientierung in der eigenen Stadt und man wusste überall woran man war. Das ändert sich dann plötzlich, ist aber an sich nicht weiter schlimm. Muss man sich nur langsam sein Umfeld aufbauen. Auch wenn die neuen Arbeitskollegen schon mal erste Sozialkontakt sind. Das Private dauert und diese Übergangsphase muss man aushalten, ohne allzu frustriert zu werden. Im Fachjargon „Resilienz“ genannt. 

Bürokratie

Das nächste ist, dass es auch in anderen Ländern Bürokratie gibt. Viele denken, dass sei ein deutsches Phänomen. Mitnichten. Woanders ist es auch nicht anders, oft sogar noch schlimmer. Wenn man dann noch in irgendeinem Office steht und der Beamte mit einem redet als sei man behindert, nur weil man einen Akzent hat, wird es spaßig. Ich war bei der spanischen Stadtverwaltung um mich anzumelden. Irgendwann sagte meine spanische Begleitung zu dem Beamten: „Sie ist deutsch und nicht behindert“, als er das Theater des Beamten nicht länger ertrug. So kann's gehen.

Wenn Sie mehr wissen wollen oder ganz spezifische Unterstützung möchten, dann melden Sie sich gerne zu einem persönlichen Gespräch an.

Starter Kit Ausland

Für Unternehmen habe ich jetzt das Programm „Starter Kit Ausland“ entwickelt. Es bereitet Ihre Assignees von der Phase der Entscheidung „Ausland ja oder nein“*, auf die Phase des Umzugs (nicht die Relocation, sondern das Verlassen der Komfortzone) und den Start im neuen Land vor. Ich berate sie während des ersten halben Jahres und auf Wunsch auch bei Rückkehr. Details auf Anfrage.


*ja, hin und wieder werden die Mitarbeiter gar nicht gefragt, ob sie ins Ausland wollen sondern aufgrund ihrer Fachkompetenz entsendet. „Wir erwarten, dass sie dort einwandfrei funktionieren“. Prinzipiell verständlich, nur erhöht dieses Vorgehen die Fluktuation der Mitarbeiter beziehungsweise trägt nicht zur Leistungssteigerung bei. Ein Mitarbeiter der sich außerhalb seiner persönlichen Komfortzone befindet, wird nicht durch hohe Leistungsbereitschaft hervorstechen. Zum Glück werden sich immer mehr Unternehmen dessen bewusst und passen ihre internationale Personalstrategie entsprechend an.

Mein Beitrag für die Manageretagen

Ich will hier nicht für eine „Verweichlichung“ der Wirtschaft eintreten. Ist ja schließlich kein Kuschelkurs. Es ist vielmehr mein Beitrag zur Gesundung in den Manager-Etagen. Wir sind alle keine Maschinen und chemische Hilfsmittel (Alkohol, Drogen, auch Essen) zur Leistungssteigerung sind nur begrenzt sinnvoll um gut funktionieren zu können. Wenn Sie jetzt sagen “wovon redet Frau Schneider?“, verweise ich gerne auf das Werk von Matthias Schranner „Verhandeln im Grenzbereich“.

Er spricht darin über Alkoholismus im Business und gibt den Tipp, dass man Verhandlungen mit manchen Menschen ganz diplomatisch an die Bar verlegen sollte, um ihnen eine goldene Brücke zu bauen. Man selbst kann sich ja einen Tomatensaft bestellen. Glauben Sie nicht? Beobachten Sie bei der nächsten Messe oder Konferenz mal Ihr Umfeld.

In diesem Sinne,

Allzeit eine gute Zeit!

Ute Schneider