Ich liebe menschliche Abgründe – solange sie noch ethisch vertretbar sind, versteht sich. Wie viele andere vermutlich auch, was den Erfolg des unsäglichen Buches „50 Shades of Grey“ erklärt. Aber das ist eine andere Geschichte

Zur Zeit lese ich „Showgirl“, ein Buch über eine Frau, die sich ihr Studium als Stripperin in London finanzierte. Das veranlasste mich dazu, mal einen eigenen Strip-Club Text zu schreiben. Hatte ich mich bisher nämlich noch nicht getraut.

 

Ein Strip-Club – die ultimative Horizonterweiterung

Ich bin ja immer für Horizonterweiterung. Wenn mich etwas interessiert, will ich das erleben. Nicht nur aus Erzählungen, sondern first hand. Ganz eigene Erfahrungen. Was soll schon Schlimmes passieren? So war das auch mit dem Strip-Club. Die leicht verruchte Seite des menschlichen Wesens finde ich ausgesprochen faszinierend. Alles nur so „prim and proper“ ist ja langweilig.

 

Und so kam das

Ich besuchte eine Kommilitonin in New Orleans, die dort gerade einen Teil ihres Medizinstudiums absolvierte. In New Orleans tobt im Nachtleben der Bär und daher gibt es ziemlich viele Clubs. Zumindest vor Kathrina. Also beschlossen wir in einen der Clubs zu gehen und unseren Horizont zu erweitern.

Eine Sache vorab: nach Medizinstudium und einem Jahr Gynäkologie mit Chirurgie, wo mir die Aufgabe zukam, Frauen vor Hysterektomien (Gebärmutterentfernung) und Brust-Ops zu rasieren, war mir sowieso nichts Körperliches mehr fremd und eigentlich sieht man in so einem Club ja nicht wirklich etwas das „pink“ ist. Alles ganz anständig.

Also suchten wir uns einen edlen Club – wennschon dennschon – im French Quarter aus und gingen dahin. Überraschung: Der Türsteher ließ uns nicht rein. Da wir zwar schon beide über 21 waren, aber ohne männliche Begleitung. Keine Chance. Es sei denn, wir wären ein lesbisches Paar. Nö.

 

Ein Mann musste her

Also musste ein Mann her. Meine Freundin hatte an Mardi Gras einen Typen irischer Abstammung kennengelernt. Er hatte, ganz klischeehaft, rote Harre und einen roten Bart und sah aus wie ein Wikinger. Wir hatten uns mit ihm schon einmal zum Kaffee getroffen. Eigentlich war er ganz nett, nur etwas grobschlächtig von seiner Art. Und zu allem Übel erzählte er fast die ganze Zeit von seiner Colon-Reinigung und wie er gerade seinen Darm saniert. Für Nicht-Mediziner: Colon ist der Dickdarm. Wie unsexy kann ein Tischgespräch noch werden???

Unter normalen Umständen hätten wir ihn nicht wiedergesehen. Half aber nix, wir verfolgten ja ein Ziel. Also legten wir die Karten auf den Tisch, dass wir eine männliche Begleitung bräuchten und machten klar, dass das nicht der Auftakt für intimere Abendveranstaltung mit uns sein sollte. Verstand er auch, alles gut. Waren wir naiv oder hatten wir einfach die männliche Psyche nicht gut genug studiert? Ok, wir waren definitiv naiv.

 

Der Strip-Club

Der Strip Club war chic. Nachdem wir nun easy an dem riesigen Türsteher vorbeikamen offenbarte sich uns viel rotes Samt, edle Stühle, edle Klientel. Es hatte Theateratmosphäre. Nett. Es gab eine Bühne, eine Stange und jede Menge eleganter Mädels, die sich um die Sitzenden räkelten. An viele Details erinnere ich mich gar nicht mehr, ist schon echt lange her.

Nur noch an einen älteren Herrn, der ein Mädel nach dem anderen buchte und einen jungen Touristen am Nachbartisch, der seiner Freundin mit einem Table Dance eine Freude machen wollte, sie damit aber sichtlich überforderte. Sie schaute während der ganzen Performance leicht verschämt und hilfesuchend in unsere Richtung. Hilfe konnten wir ihr nicht bieten, fragten uns aber, ob sie ihn für diese Aktion wohl direkt verlassen würde.

Uns selbst reichte das pure Schauen als Eindruck schon völlig. Table Dance war nicht nötig. Was wir so auch an unseren Begleiter kommunizierten. Wie gesagt, immer schön die Karten auf den Tisch.

 

Erstaunliche Einblicke

Auch wenn wir sonst nicht paarweise gehen, war es irgendwann Zeit das Örtchen aufzusuchen. Wegen des Austausches und der Planung des weiteren Abends – der ohne unseren Begleiter weiter gehen sollte. Denn unser Interesse an seiner Darmreinigungsgeschichte in allen Details – er hatte wirklich kein anderes Thema – hatte sich irgendwann erschöpft.

In der Toilette machten sich ein paar der Mädchen gerade frisch. Was mich überraschte, ich dachte immer, die hätten ihren Backstage Bereich dafür. An der Stange hatten alle noch ausgesehen wie die Göttinnen, die gerade dem Olymp entstiegen waren. Jetzt offenbarten sich uns junge aber verlebte Gesichter, mit gelangweiltem Ausdruck. Untermalt wurde das von Lästereien über andere Mädchen und Hinterwäldler-Akzent. Schon komisch.

Der Club war echt chic, aber von Nahem wirkten ein paar der sonst ausgesprochen hübschen Damen ausgesprochen vulgär. Uns beachteten sie gar nicht.

 

Das Kind im Candy Shop

Als wir Richtung Tisch zurückgingen, räkelte sich gerade eine Brünette halb auf unserem Begleiter. Sie hatte kurze Haare, war zwar dünn und aber nicht wirklich trainiert und trug ein kurzes weißes Kleid, das ihr nicht stand. Ihr Gesichtsausdruck war ziemlich gelangweilt, was unseren Begleiter nicht zu stören schien. Alles nicht so sexy. „Och nee“ sagte meine Freundin. Muss das sein?“. Wir warteten die paar Minütchen, bis die Show zu Ende war, bevor wir zum Tisch zurückgingen.

„Wo wart ihr denn? Ich habe das doch nur für Euch getan“. Iiiiis klar…..

Wir waren genervt, da er sich nicht an die Abmachung gehalten hatte. Aber okay, was hatten wir erwartet? Er war ja quasi wie ein Kind im Candy Shop. Soviel zur männlichen Psyche – und unserer Naivität. Jetzt dämmerte ihm, dass dies wirklich kein Auftakt zu nichts Weiterem hatte sein sollen und auch er war genervt. Er war vermutlich an prüde amerikanische Frauen und deren „hard to get“ – Spielchen gewöhnt und nicht an zwei nüchterne matter-of-fact Deutsche. Wir strengten ihn sichtlich an.

Da er sowieso nach Hause musste, um irgendeinen wichtigen Vitamin-Cocktail für seine Kur anzurühren, fuhr er nach Hause und wir stürzten uns weiter ins Nachtleben von New Orleans.

 

Ich habe aus dem Abend einiges gelernt

  1. Unterschätze nie die männliche Psyche. Aber so weit war ich mit Mitte Zwanzig noch nicht.
  2. Wenn du etwas wirklich tun willst, tu’s! Denn das „als Frau kannst Du doch nicht…“ bringt keine Frau weiter im Leben.
  3. Schaffe Möglichkeiten! Ich sage immer „links rum, wenn‘s nicht rechts rum geht“. Man wollte uns nicht in den Club lassen? Ok, dann würden wir schon eine Lösung finden. Eine Lösung gibt es immer, wenn man kreativ ist.
  4. Es ist egal, was die anderen denken. Von diesem „was sollen denn die Leute denken“ habe ich mich schon lange befreit.
  5. Mut tut gut. Und auf Reisen, weit weg von zu Hause, ist man sowieso freier im Kopf um mal etwas gänzlich Neues auszuprobieren. Try it, you might like it!
  6. No fear! Zu viel Angst, was alles passieren könnte, bringt keine Horizonterweiterung, sondern macht das Leben um einige Erfahrungen ärmer.
  7. Sorge für deine Sicherheit. Nichts desto trotz sind ein paar Sicherheitsmaßnahmen nicht verkehrt: wir waren zu zweit, hatten die Regeln klar kommuniziert und hörten auf unser Gefühl. Nachdem das Ganze in eine andere Richtung lief als geplant, hatten wir uns ziemlich schnell verabschiedet. Auch wusste er nicht, wo wir wohnten. Alles andere wäre grobfahrlässig gewesen.

 

Meine Empfehlung

Wenn du als Frau schon immer mal in einen Strip-Club oder was auch immer gehen wolltest, mach es. Wenn man nicht gerade in eine Absteige geht, ist das eine echt ästhetische Angelegenheit und absolute Horizonterweiterung. Schau auch hier nach deinem Glas, achte auf deine Begleitung und wer dir eventuell beim Verlassen folgt. Laufe nicht durch dunkle Gassen nach Hause, sondern nimm ein Taxi bei Nacht. Das hat nichts mit mutlos zu tun, sondern dient der Sicherheit. Geiz ist in diesem Fall der falsche Ansatz und extrem ungeil.

 

Und nun?

Wer jetzt sagt, „Och ne, als Frau in einen Strip-Club gehen ist dann doch nichts für mich“, dem lege ich, wie gesagt, das Buch „Showgirl“ von Juliana Darling ans Herz. Vielleicht bringt Dich die Lektüre ja auf den Geschmack. Lass es mich wissen.

Wenn Du sagst „ich würde sowas ja auch so gerne mal machen und einfach die Welt erkunden, traue mich aber nicht und weiß auch nicht wie“ dann empfehle ich Dir meine Seminare Reisesicherheit für Frauen.

 

Mädels, lasst uns die Welt erobern!!

Allzeit eine coole Zeit!

 

Deine Ute