Sieben typische Herausforderungen ins Ausland entsendeter Mitarbeiter

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Wenn ich über Herausforderungen im Ausland rede, schauen mich viele mit großen Augen an. „Ich dachte bisher, das sei alles ein einziges tolles Abenteuer. Was, da gibt es auch Probleme?“. Ja, die gibt es und auch wenn ich generell dafür bin, den Fokus auf die positiven dinge zu lenken, sollten diese Herausforderungen nicht unerwähnt bleiben. Im Zweifelsfall verhindert das den vorzeitigen Abbruch einer Entsendung. Dabei spielt das Land, in das entsendet wird, übrigens nur eine untergeordnete Rolle.


Vertsehen Sie mich nicht falsch. Natürlich ist der Umzug ins Ausland ein ganz tolles Abenteuer, das den Horizont erweitert und sehr viele tolle neue Erfahrungen mit sich bringt. Keine Frage. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere sind Herausforderungen, mit denen man als Expat gar nicht gerechnet und auf die einen auch niemand vorbereitet hatte. Das rührt daher, dass steuerliche, rechtliche und vertragliche Dinge zu regeln und häufig schon so komplex sind, dass „das bisschen Komfortzone“ vergleichsweise simpel erscheint. Bis man dann vor Ort ist....



1. Überforderung


Vorab scheint der Umzug und die Organisation des neuen Lebens im Ausland ein Kinderspiel zu sein. Vor allem, wenn eine Relocation Firma die Möbel übernimmt und das eigene Unternehmen Dinge wie Steuern und Versicherungen. Wieviel dann doch noch an so einem Auslandsumzug hängt, merkt man oft erst gegen Ende, wenn alles zeitlich knapp wird. Angefangen von den letzten Arztbesuchen, Abschied von Freunden, der vollen Garage, Dingen, die man nicht mitnehmen kann und die verschenkt oder verkauft werden müssen und vieles mehr. Das kann in ziemlichen Stress ausarten, gerade wenn man noch Vollzeit arbeitet. Hinzu kommt dann noch die Organisation des Neustarts im Land.


2. Orientierung am neuen Ort


Der Neustart in einem Land ist nicht zu vergleichen mit einem Urlaub, wo man nur vom Hotel an den Strand oder zum nächsten Sightseeing Punkt muss. Bei einem Umzug ist es wichtig, sich von Anfang an einen guten Überblick der Nachbarschaft, dem Weg zur Arbeit und wichtigen Punkten wir Kliniken, Meldebüro, Supermarkt, Banken etc. zu verschaffen. Nicht alles funktioniert dabei, wie man es in Deutschland gewohnt ist und es kann dauern, bis man sich vollumfänglich orientiert und angemeldet hat und in seiner Umgebung zurechtfindet. In England hat man zum Beispiel keine freie Arztwahl sondern muss zu dem vom NHS dem Wohnort zugeordneten Center gehen. Bankkonten eröffnet man mit einer Telefonrechnung. Schlecht nur, wenn man noch kein Telefon hat (kein Scherz) Solche Dinge muss man oft erst mühsam herausfinden, wenn man vom Unternehmen nicht super vorab gebrieft wurde.


3. Start im neuen Team


Der Start im neuen Team wird oft unterschätzt. Man geht intuitiv davon aus, dass das alles schon klappen wird, da man sich ja zu Hause auch wohlfühlt und es schließlich ein Unternehmen mit einem Unternehmens-Sprit ist. Im besten Fall ist das auch so. Allerdings herrschen in anderen Ländern andere Umgangsregeln, Hierarchie hat eine andere Bedeutung und auch Führungsstile und das generelle Verständnis von Führung ist anders als in Deutschland. Selbst wenn der Expat in der Theorie – beispielsweise in einem interkulturellen Training – darauf vorbereitet wurde, ist es immer nochmal etwas anderes, das dann auch in der Praxis zu erleben.


4. Einsamkeit


Selbst wenn der Mitarbeiter vom ausländischen Team gut aufgenommen und zu sozialen Aktivitäten eingeladen wird, wird es am Anfang im Privaten sicher einige Leerlaufzeiten geben. Selbst wenn man mit Familie eingereist ist. Denn das soziale Umfeld wird man erst schmerzlich vermissen, wenn man seine Freunde nicht mal mehr eben so auf einen Kaffee treffen kann. Ja nachdem in welcher Kultur man sich befindet und wie kommunikativ veranlagt man ist, kann es eine ganze Weile dauern bis ein neues soziales Umfeld aufgebaut ist. Man rechnet im Schnitt mit zwei Jahren bis man so etwas wie Freunde hat und sozial etabliert ist.


5. Falsche Vorstellungen treffen auf Realität


Vorab hat man sich alles in den schönsten Farben ausgemalt und plötzlich klopft die Realität an die Tür. Man stellt fest, dass es auch woanders Bürokratie gibt, Menschen nicht immer nur freundlich sind oder das Wetter zwar warm, aber die Luftfeuchtigkeit unerträglich ist. Wäschen waschen und Einkaufen ist genauso lästig wie zu Hause und der Verkehrsstau zur Arbeit sogar noch länger als in der Heimat.Oft wird vom Kulturschock geredet, wenn die ersten Wolken am Horizont auftreten. Ich denke jedoch, es ist oft das Phänomen „Realität meets Traumvorstellung“. Wenn man dem Ganzen Zeit gibt, kann sich das nach einer Weile einpendeln. Gelassenheit ist hier gefragt.


6. Unerwartete Herausforderungen


Unter unerwartete Herausforderungen verbuche ich alles, was auftaucht, wenn etwas nicht so läuft wie geplant. Das kann sein: in der Heimat ist etwas Dringendes zu erledigen, das man vergessen hatte (Ämter) oder das nicht läuft wie erwartet (Probleme mit Zwischen- oder Nachmieter, Haus- oder Autoverkauf), Gesundheitliche Probleme im Gastland – man findet nicht die medizinische Versorgung, die man sich wünscht oder erhält Medikamente nicht, die man in der Heimat ohne Probleme bekommt.


7. Familiäre Probleme


Oft höre ich „wenn die Familie mitgeht, hat man diese Probleme doch nicht“. Ja und nein. Man ist vielleicht nicht ganz so einsam, aber was ist, wenn sich eines der Familienmitglieder nicht einleben kann? Weil die neue Schule so ganz anders ist, oder das Kind die Freunde vermisst? Wenn der Partner vor Ort nicht mehr arbeiten kann und Depressionen entwickelt? Hier hilft ein Duales Programm der Unternehmen, die es aber noch nicht überall gibt und die auch nicht immer möglich sind. Oder aber, der Partner ist nicht mit ausgereist und kommt es zu Eifersuchtsdramen.

Die Scheidungsrate unter Expats ist höher als die des Durchschnitts und für eine Scheidung im Ausland gelten ganz besondere Regeln. Es wird Expats sogar verschiedentlich geraten für den Fall einer Scheidung vorab schon alles vertraglich Notwendige zu regeln. Macht man natürlich in der Regel nicht, da man sich das gar nicht vorstellen will. Sollte der Ernstfall eintreten unbedingt mit einem Fachanwalt sprechen.

Gute Vorbereitung ist alles! 


Ich denke immer noch, dass die Zeit im Ausland mit das Tollste ist, was man im Leben machen kann. Nur sollte man sich auf alle Eventualitäten gut vorbereiten. Dann wird der Umgang mit möglichen Herausforderungen einfach leichter.


Sämtliche erwähnte Beispiele stammen aus der Praxis und wurden mir entweder vielfach erzählt oder ich habe sie selbst erlebt. Das sind alles keine unlösbaren Probleme, wenn man weiß, wie man sich darauf vorbereiten und bei Eintreten damit umgehen kann. getreu dem Motto: be prepared! 


Dafür gibt es jetzt das Starter Kit Ausland. Es bereitet Sie auf die häufigsten Herausforderungen einer Auslandsentsendung vor und unterstützt Sie noch in der Heimat und der ersten Zeit im neuen Land. Für mehr Info einfach auf den Button klicken: 

Der Auslandsumzug – warum interkulturelles Training überschätzt wird

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interkulturelles Training

Dieser Tage hörte ich das Lied „Aurélie“ von Wir sind Helden, in dem es darum geht, warum Aurélie das Flirtverhalten deutscher Männer nicht versteht und daher alleine bleibt. Das bewog mich, mir mal etwas mehr Gedanken über Kultur im Allgemeinen und interkulturelles Training im Speziellen zu machen. Viele Unternehmen legen das Hauptaugenmerk bei der Auslandsvorbereitung ihrer Mitarbeiter neben steuerlichen Aspekten auf das interkulturelle Training.

Verstehen Sie mich nicht falsch, dieses Training ist sehr wichtig, um die Kultur ein bisschen zu verstehen und sich schnellstmöglich in der neuen Heimat zuhause zu fühlen. Problematisch wird es nur, wenn man sich darauf verlässt, das mit ein paar Stunden interkulturellem Training alles gut wird und man „die Anderen“ vollumfänglich versteht. Das funktioniert nicht. Aus folgenden Gründen:


Kultur ist vielschichtig

Kultur ist mehr als Sprache, Küche und Traditionen. Kultur ist eine vielschichtige Angelegenheit, weswegen zu ihrer Erklärung meist das berühmte Eisbergmodell herangezogen wird. Dieses besagt, dass nur ein Bruchteil der Aspekte einer Kultur sichtbar an der Oberfläche sind und der Rest unter der Wasseroberfläche liegt. Der Rest das sind Werte, Glaubenssätze, Prägungen. Ein bisschen davon lässt sich erahnen, wenn man sich im Detail mit einer Sprache befasst: welche Bilder werden in den Sprichworten gemalt, welche Metaphern gibt es und für welche Worte gibt es keine entsprechende Übersetzung ins Deutsche und umgekehrt. Ein Beispiel, das mir gerade einfällt, ist das deutsche Wort für Gemütlichkeit. Zumindest kenne ich keine Entsprechung dafür im Spanischen und auch das englische cosyness gibt es nur annähernd wieder.


Die Geschichte verstehen


Die Kultur, wie sie heute ist, muss auch immer im geschichtlichen Kontext betrachtet werden. Manches kann man erst in Zusammenhang und in der Rückschau verstehen, das auf den ersten Blick keinen Sinn macht. Ein gutes Interkulturelles Training gibt normalerweise Einblick in die Geschichte eines Landes. Danach macht es Sinn, sich mit Einheimischen zu unterhalten. Natürlich unter dem Vorbehalt, dass Geschichte abhängig davon ist, wer sie einem erzählt. In Spanien wurde mir das sehr bewusst.

Gespräch mit zwei Großvätern, die auf zwei verschiedenen Seiten des Guerra Civíl gekämpft hatten – und schon hat man zwei Geschichten. Das zu verstehen half mir „Ghosts of Spain“. In Vietnam unterhielt ich mich mit einem Hotelbesitzer über den Vietnamkrieg. Was mir am ausdrücklichsten in Erinnerung geblieben war, war seine Trauer, dass viele seiner Jugendfreunde im Krieg gestorben waren. Und so geht es vielen, sagte er mit Tränen in den Augen.


Sozialisierung ist ein langandauernder Prozess

Wie lange hat es gedauert, bis wir in unserer Kultur sozialisiert wurden? Also zu „vollwertigen Mitgliedern dieser Gesellschaft“ wurden? Als uns unsere Eltern, Großeltern und beflissene Lehrer etc. mit den Dos and Dont's der Gesellschaft vertraut machten. Im Beruf kam dann das Wissen um Business Etikette dazu. Es ist ein andauernder Prozess, der sich über Jahre und Jahrzehnte hinzieht. Zu erwarten, dass man das in einer anderen Kultur in ein paar Stunden erledigt haben würde, ist somit illusorisch.


In meiner Zeit in England staunte ich immer wieder über die unglaublich diplomatische Wortwahl mancher Engländer. Diese zarte Verpackung grober Inhalte wie in feinstes Seidenpapier. Großartig!! Wen das Thema interessiert, dem empfehle ich das Buch „Watching the English“.


Menschen sind vielschichtig

Dann hat man ja nicht nur mit der Kultur zu tun, sondern deren menschlichen Vertretern. Das heißt, mit Individuen, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie ganz individuell sind. Manche versteht man, manche nicht. Das liegt an Werten, Normen, Einstellungen, Erziehung, Glaubenssätzen, Erfahrungen, familiären Prägungen usw. Somit betrachtet jeder von uns die Welt durch seine Brille oder , wie eine befreundete Schauspielerin neulich sagte: „Hast Du 100 Zuschauer im Publikum dann hast Du 100 mal ein anderes Stück“.


Auch in Deutschland versteht man nicht alle Mitmenschen. Weil sie einfach anders sind und ein anderes „Modell der Welt haben“ wie man es im NLP nennt. Neulich fragte mich jemand: wie sind die Deutschen eigentlich so? Es fiel mir schwer, dazu etwas zu sagen. Klar, es gibt das Stereotype Bild: Wir sind fleißig, höflich, hart arbeitend, tolle Ingenieure, ehrlich und direkt - sagen die einen - unhöflich, Sandalen- und Goretexjackenträger, Barbaren (Deutsche auf Mallorca) - sagen die anderen. Wer hat nun recht? Wie immer gilt: it all depends.


Deutsch ist ja auch nicht gleich Deutsch. Jeder Mensch ist ja irgendwie eine Insel. Ich denke, es wird mehr interkulturelle Verständigungsprobleme geben, wenn man einen Bayer nach Hamburg sendet, als den entsprechenden Bayern nach Singapur, beispielsweise. Ein Film, der sich des Themas deutsche Kultur (und ein bisschen Hippie Kultur) sehr humorvoll annimmt ist „Sommer in Orange“.

Das war mein kleiner Exkurs zum Thema interkulturelles Training. Das Blogbild oben ist eine kleine Impression aus Rüsselsheim. Da hatte wohl jemand ein riesiges Problem mit Kultur so im Allgemeinen. Vielleicht hatte ihn seine Familie mit zu viel mit Opern gequält? Wir wissen es nicht. 

Möchten Sie mehr erfahren?


Wie man sich sonst noch auf einen Auslandsaufenthalt vorbereiten kann um eine gute Zeit im neuen Land zu haben, können Sie meinem gratis E-book Life abroad entnehmen.


Allzeit eine gute Zeit


Ihre Ute Schneider

Erwartungen an das Leben als Expat

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Komfortzone

Neulich sah ich im Fernsehen eine Werbung für „Good Bye Deutschland“. Ein Satz ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Nie wieder Alltag“. Ähnliches findet man auch in einschlägigen Jobanzeigen „Leben da, wo andere Urlaub machen“. Welche Erwartungen löst das aus? In meinen Augen die völlig falschen. Es wird eine Vorstellung vom Leben im Ausland kreiert, die der Realität nicht standhält. Ja, gar nicht standhalten kann und auch nicht soll. Selbst wenn es wie ein Urlaub wäre: man kann nur eine begrenzte Zeit am Strand liegen und nichts tun und auch des Cocktail Trinkens wird man irgendwann überdrüssig.

Menschen brauchen „Alltag“

Natürlich hat man bei einem Umzug in ein neues Land erst mal ganz viel Tolles, Neues und Aufregendes. Das ist ganz normal und diese Phase sollte man auch in vollen Zügen genießen. Nach der ersten „Honeymoon-Phase“ tritt zwangsläufig Alltag ein. Auch das ist normal. Denn was ist Alltag denn? Es ist ein fester Ablauf des Lebens, bestehend aus Arbeit, Freizeit, Notwendigkeiten wie Einkaufen, Wäschewaschen (ausgenommen Länder, in denen man das extern erledigen lässt) und dem ganz normalen Rhythmus, der sich irgendwann automatisch einstellt. Das ist auch gar nicht schlimm, denn Routine ist für uns Menschen wichtig.

Wir wollen unseren Stamm-Frisör, wissen wo es die besten Pommes der Stadt gibt, wo man seinen Kaffee trinken und abends weggehen kann. Das zu wissen spart sehr viel Zeit und Kraft. Man ist nicht mehr auf „Alarmstufe rot“, sondern kann die Dinge entspannter angehen. Abwechslung gerne, aber nicht zu viel. Sonst wird es für unsere Psyche schnell unbequem. Bei jedem meiner Auslandsaufenthalte hat die Suche nach einem netten Frisör mehrere Anläufe und damit auch Kraft in Anspruch genommen.

Die berühmte Honeymoon-Phase

Warum erwähne ich das? Ich denke, bei vielen kommt gerade deshalb nach der sogenannten Honeymoon-Phase so ein böses Erwachen im Fachjargon als Kulturschock bezeichnet, da sie mit falschen Erwartungen in ein neues Land gezogen sind. Mit diesem „Jetzt wird alles anders und vor allem besser! Jetzt stelle ich mein Leben um, mache regelmäßig Sport, schaue weniger Fernsehen und gehe mehr auf Feten...“. Und was es da sonst noch an Vorstellungen gibt. Ja, es kann gut sein, dass man wirklich vieles ändert, weil man den neuen Schwung nutzt und auf dieser positiven Welle bleibt. Auch, weil man alte Strukturen und kräftezehrende Peers (mehr dazu bei „Schluss mit Energieräubern“ hinter sich gelassen hat. Ich wünsche wirklich jedem Expat, dass er genau das erreicht und durchhält.

Man nimmt sich selbst immer mit

Fakt ist aber auch: man nimmt sich selbst mit! Wenn ich eher eine „Couch-Potatoe bin, wird aus mir höchstwahrscheinlich auch im Ausland kein Triathlet. Und wenn ich regelmäßig Sport brauche, kann es ziemlich frustrierend sein, wenn man sich plötzlich in einem Umfeld wiederfindet, in dem die Kollegen lieber trinken gehen als zum Sport. Ist mir einmal passiert. Die fanden es sehr strange, wenn ich nicht mit in den Pub kam, weil ich an dem Abend dringend eine bestimmte Route in der Kletterhalle klettern wollte. Ich sage das, weil man dann ziemlich schnell zum strangen Vogel wird, was partiell ausgrenzend sein kann. Damit muss man umgehen können. Oder man passt sich an, nur um dazuzugehören, was die schlechtere Variante wäre.

Feste Strukturen und gewohnte Pfade fehlen erst mal

Zuhause hatte man ja seine festen Strukturen und die gewohnten Pfade. Den Freundeskreis, die Kollegen, die Orientierung in der eigenen Stadt und man wusste überall woran man war. Das ändert sich dann plötzlich. Und entweder es sind gleich die richtigen, oder, wie in meinem Fall, wird man plötzlich zum strangen Vogel. Das ist nicht weiter schlimm. Muss man sich halt woanders sein Umfeld aufbauen. Auch wenn die neuen Arbeitskollegen zwangsläufig der erste Sozialkontakt sind. Egal. Das dauert und diese Übergangsphase muss man aushalten, ohne allzu frustriert zu werden. Im Fachjargon „Resilienz“ genannt. 

Bürokratie

Das nächste ist, dass es auch in anderen Ländern Bürokratie gibt. Viele denken, dass sei ein deutsches Phänomen. Mitnichten. Woanders ist es auch nicht anders, oft sogar noch schlimmer. Wenn man dann noch in irgendeinem Office steht und der Beamte mit einem redet als sei man behindert, nur weil man einen Akzent hat, wird es spaßig. Hier kann ich eigene Erfahrung aufweisen. Ich war bei der spanischen Stadtverwaltung um mich anzumelden. Irgendwann sagte meine spanische Begleitung zu dem Beamten: „Sie ist deutsch und nicht behindert“, als er das Theater des Beamten nicht länger ertrug. So kann's gehen.

Spielen auch Sie mit dem Gedanken ins Ausland zu ziehen oder sind schon dort und stoßen gerade an die Grenzen Ihrer Komfortzone? Dann empfehle ich Ihnen im ersten Schritt mein gratis E-Book „Life abroad“. Darin finden Sie vielmals erprobte Tipps, wie Ihr Leben im Ausland toll wird.

Wenn Sie mehr wissen wollen oder ganz spezifische Unterstützung möchten, dann melden Sie sich gerne zu einem persönlichen Gespräch an.

Starter Kit Ausland

Für Unternehmen habe ich jetzt das Programm „Starter Kit Ausland“ entwickelt. Es bereitet Ihre Assignees von der Phase der Entscheidung „Ausland ja oder nein“*, auf die Phase des Umzugs (nicht die Relocation, sondern das verlassen der Komfortzone) und den Start im neuen Land vor. Ich berate sie während des ersten halben Jahres und auf Wunsch auch bei Rückkehr. Details auf Anfrage.

*ja, hin und wieder werden die Mitarbeiter gar nicht gefragt, ob sie ins Ausland wollen sondern aufgrund ihrer Fachkompetenz entsendet. „Wir erwarten, dass sie dort einwandfrei funktionieren“. Prinzipiell verständlich, nur erhöht dieses vorgehen die Fluktuation der Mitarbeiter beziehungsweise trägt nicht zur Leistungssteigerung bei. Ein Mitarbeiter der sich außerhalb seiner persönlichen Komfortzone befindet, wird nicht durch hohe Leistungsbereitschaft hervorstechen. Zum Glück werden sich immer mehr Unternehmen dessen bewusst und passen ihre internationale Personalstrategie entsprechend an.

Mein Beitrag für die Manageretagen

Ich will hier nicht für eine „Verweichlichung“ der Wirtschaft eintreten. Ist ja schließlich kein Kuschelkurs. Es ist vielmehr mein Beitrag zur Gesundung in den Manager-Etagen. Wir sind alle keine Maschinen und chemische Hilfsmittel (Alkohol, Drogen, auch Essen) zur Leistungssteigerung sind nur begrenzt sinnvoll um gut funktionieren zu können. Wenn Sie jetzt sagen “wovon redet Frau Schneider?“, verweise ich gerne auf das Werk von Matthias Schranner „Verhandeln im Grenzbereich“.

Er spricht darin über Alkoholismus im Business und gibt den Tipp, dass man Verhandlungen mit manchen Menschen ganz diplomatisch an die Bar verlegen sollte, um ihnen eine goldene Brücke zu bauen. Man selbst kann sich ja einen Tomatensaft bestellen. Glauben Sie nicht? Beobachten Sie bei der nächsten Messe oder Konferenz mal Ihr Umfeld.

In diesem Sinne,

Allzeit eine gute Zeit!

Ute Schneider 

7 effektive Tipps zum entspannten Erlernen einer Fremdsprache

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Sprache lernen

Schuhe ausziehen? Bitte Ruhe?

Das Verständnis der Landessprache ist ein riesengroßer Faktor für das Verständnis einer Kultur. Sich im Alltag gut verständigen und bewegen zu können erleichtert das Ankommen wie nichts Anderes. Eine Fremdsprache wird Sie hin und wieder jedoch vor Herausforderungen stellen. Selbst wenn Sie sie sehr gut beherrschen. Denn auch in der Muttersprache ergeben sich hin und wieder Missverständnisse und Situationen, in denen man sich nicht gut verständlich machen kann oder einfach nicht verstanden wird. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Das Erlernen einer Sprache ist ein Prozess, haben Sie Geduld

Eine Sprache zu lernen ist ein Prozess, der eigentlich nie wirklich abgeschlossen ist. Was unter anderem daran liegt, dass vor allem die Umgangssprache nicht statisch ist, sondern stetem Wandel unterliegt. Die Fähigkeit sich gut auszudrücken ist oft weniger an eine Sprachaffinität geknüpft (ja ich weiß, viele Lehrer haben das vielen Schülergenerationen eingeredet) sondern an ein Repertoire an Vokabeln. Und die kann man lernen. Ja, Vokabellernen hat den Touch des Nerdigen, ich weiß. Es ist aber möglich, Freude daran zu entwickeln und dann geht es fast von alleine.

Hilfreiche Techniken, die Sie ohne Lehrer anwenden können: 

1. Magazine und Bücher lesen

Am meisten Spaß bereitet das Vokabellernen mit Themen die Sie lieben. Zu fast allem gibt es mittlerweile Fachzeitschriften. Besorgen Sie eine und lesen Sie sie regelmäßig. Es gibt einige Sprachzeitungen, die unter den Artikeln Vokabellisten anbieten und die Artikel nach Schwierigkeitsgraden ordnen. Dazu gibt es auch CDs mit den Texten, so lernen Sie gleich die richtige Aussprache.

2. Nachrichten schauen

Nachrichten haben im Gegensatz zu vielen Filmen den Vorteil, dass Nachrichtensprecher keine Umgangssprache verwenden und dass das Themengebiet meist schon anhand der Bilder nachvollziehbar ist. So haben Sie zumindest eine Orientierung, worüber geredet wird und können den Rest nachschlagen. Ansonsten helfen auch seichte Seifenopern im Fernsehen. Ist die Frage, ob man deren Inhalt Folgen WILL, selbst wenn man es kann.

3. Das Word oft the day aufschreiben

Notieren Sie jeden Tag ein neues Wort. Das macht 365 Worte im Jahr. Einfach so. Das gute alte Vokabelheft leistet dafür gute Dienste. Sie können auch Kärtchen nehmen oder einen großen Block an die Wand nageln, sie auf deine Badezimmerkacheln schreiben oder oder oder. Denn über das handschriftliche Festhalten merken Sie die Worte nochmal besser, als nur durch Lesen. 

Wiederholung ist der Schlüssel! Lesen Sie die Worte jeden Morgen und jeden Abend. Wenn Sie gerne mit Kärtchen arbeiten,  tun Sie das. Morgens und abends 5 Minuten reichen völlig.

Wie finden Sie das Word oft the day?

Nehmen Sie entweder ein Wort, das Sie irgendwo hören oder lesen aber noch nicht kennen (Fernseher/ Radio/ Zeitung) oder nutzen Sie einen thematischen Grund- und Aufbau-Wortschatz. Diesen dann Stück für Stück durcharbeiten. Vielleicht fällt Ihnen auch ein deutsches Wort ein, dessen Übersetzung Sie noch nicht kennen. Seien Sie kreativ! Auf www.leo.org bekommen Sie neben der Übersetzung gleich noch die richtige Aussprache mitgeliefert.

4. Themen bilden

Suchen Sie sich ein spezielles Thema, beispielsweise Auto, und schreiben alle Vokabeln auf, die Sie dazu kennen: Auto, Lenkrad, Autoradio, Tür, Windschutzscheibe, Scheibenwischer …

Dann schreiben Sie weitere auf Deutsch auf und schlagen deren fremdsprachliche Bedeutung nach. Wenn Sie gerne zeichnen, können Sie sich dazu auch ein Bild  malen. Es gibt auch sehr nette teils mehrsprachige Bildwörterbücher. Auch ein schönes Spiel, dass man mit Kindern spielen kann. Die freuen sich dabei so unglaublich, wenn sie einem ein neues Wort beibringen können oder mehr wissen als der Erwachsene.

Wieviele Themen haben Sie so im Leben?

Die meisten Leute unterhalten sich am liebsten über bestimmte Themen - Familie, Job, Auto, Haustier, Hobby, Politik etc. Das heißt,Sie werden das zugehörige Vokabular nach einer Weile beherrschen und der Konversation leicht folgen können. Ist am Anfang ein bisschen Arbeit, die aber sehr schnell sehr dicke Früchte trägt.

5. Machen Sie das Wörterbuch zu Ihrem Freund!

Haben Sie das Wörterbuch in gebundener oder elektronischer Form immer dabei. Schlagen Sie am Anfang im Alltag so viele unbekannte Wörter wie möglich nach. So vergrößern Sie Ihr  aktives Vokabular in Windeseile und fast wie von selbst. www.leo.org ist eine gute Adresse für viele Sprachen. Oder eine Sprach-App, die Ihnen liegt. Auswahl gibt's genug. Bei meinem ersten Praktikum in Barcelona hatte ich Ponds Deutsch-Spanisch und Spanisch-Deutsch überall dabei und stellte sie als "los amigos" vor. Das fand meine Umgebung lustig und hat mich total beim Erlernen neuer Worte unterstützt und manchmal hat mein Gegenüber auch ein bisschen Deutsch gelernt. 

6. Sprechen Sie mit vielen Menschen und fragen Sie nach

"Verstehe ich richtig, dass Du …… meinst? Lass mich das nochmal zusammenfassen, damit ich Dich auch wirklich verstehe". Geben Sie das Gesagte dann in Ihren eigenen Worten wieder. Die meisten Menschen sind sehr geduldig, also keine Scheu. Viel sprechen ist die beste Möglichkeit, den passiven Wortschatz zu aktivieren. Der Lernerfolg ist immens. Trauen Sie sich! Ja, gerade am Anfang leichter gesagt als getan, wenn man sich noch nicht so richtig ausdrücken kann. Das macht aber nix. Denn es gibt Leute, die sprechen eine Fremdsprache makellos und trauen sich immer noch nicht, zu sprechen. Das ist sehr schade.

7. Scrabble spielen

Echt jetzt? Ja, echt jetzt! Scrabble ist das Spiel mit den kleinen Holzklötzchen, bei dem man Worte auf einem Brett legt. Ich liebe es! Das gibt es in vielen Sprachen. So kann man das Praktische mit einer Menge Spaß verbinden und lernt die Worte wirklich. Denn wo sich im Alltag vielleicht niemand traut Sie zu korrigieren, seien Sie  gewiss, hier wird das anders laufen. Leute zum Scrabble-Spielen einzuladen ist auch ne nette Möglichkeit, das Sozialleben auf Vordermann zu bringen.

Repetition is key!

Vokabeln wollen wiederholt werden. Mit Karten, Vokabelheft oder einer langen Liste an Ihrem Kühlschrank. Egal. Hauptsache Sie wiederholen täglich. Ich selbst hab die Vokabeln irgendwann mit Edding auf die Kacheln meines Bades geschrieben. Super Methode um den Wortschatz immer und immer wieder zu wiederholen. Alles ganz entspannt. Jeden Tag 5 Minuten sind genug!!

Was sind Deine Lieblingstechniken zum Spracherwerb und womit haben Sie am meisten Erfolg gehabt?

Zu welchen Themen hätten Sie gerne noch Info? 

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Allzeit eine gute Zeit und stets tolle Konversationen,

Ute Schneider ​